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https://morningwire.eu/fr/les-elections-de-septembre-a-berlin-decideront-si-240-000-appartements/
Wähler am 20. September wählen eine neue Stadtverwaltung und bestimmen damit, ob der umstrittene Plan, großflächigen Mietwohnungsbestand zu sozialisieren, vom Referendum zum Gesetz wird.

Berlin wird am 20. September seine Stadtwahlen abhalten, eine Abstimmung, die nicht nur eine neue Verwaltung bestimmt, sondern auch der entscheidende Moment für einen Vorschlag ist, etwa 240.000 Wohnungen, die großen profitorientierten Vermietern gehören, in öffentliches Eigentum zu überführen.
Im Jahr 2021 fragte ein Berliner Referendum die Wähler, ob der Staat Immobilien von Unternehmen wie Deutsche Wohnen enteignen soll. Mehr als 56 % der Teilnehmenden unterstützten den Vorstoß, obwohl das Referendum beratend war und das Parlament nicht bindete. Fünf Jahre später bleibt die Frage, ob der Wohnungsbestand sozialisiert werden soll, ungeklärt.
Die Initiative von 2021 berief sich auf Artikel 15 des Grundgesetzes, der dem Staat erlaubt, Land und Produktionsmittel zum Gemeinwohl zu erwerben. Eine im Jahr 2023 eingesetzte Expert*innenkommission kam zu dem Schluss, dass ein Sozialisierungsschema mit der Verfassung vereinbar sein könnte, doch es folgte keine Gesetzgebung.
Die Linke hat das Referendum in den Mittelpunkt ihrer Wohnungspolitik gestellt. Ihre Bundesvorsitzende, Ines Schwerdtner, hat signalisiert, dass eine Sozialisierung verfolgt würde, wenn die Partei an der Berliner Regierung beteiligt ist.
Der SPD‑Kandidat Steffen Krach hat ausgeschlossen, einer Koalition beizutreten, die Enteignung zur Bedingung macht. Die Grünen unterstützen Mieterschutzmaßnahmen, sehen Enteignung jedoch nicht als vorrangiges Wahlziel. Die amtierende Koalition aus CDU und SPD lehnt den Enteignungsplan ab und unterstützt bundesweite Bestrebungen, den Einsatz von Artikel 15 durch die Länder zu begrenzen. Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) lehnt Enteignung ebenfalls ab und wird voraussichtlich keinen Einfluss auf Koalitionsverhandlungen haben.
Der Verband der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg (UVB) hat gewarnt, dass Investoren unsicher seien und einige geplante Investitionen verschoben würden. Oliver Panne vom UVB warnte, dass Enteignung Milliarden von Euro an Entschädigungen nach sich ziehen, zusätzliche Instandhaltungs‑ und Klimaschutz‑Aufrüstungskosten für die Stadt verursachen und den Ruf Berlins als Wirtschaftsstandort beschädigen könnte.
Befürworter des Vorhabens argumentieren, dass öffentliches Eigentum die Mieten stabilisieren, den Mietern Mitspracherecht bei der Verwaltung geben und dem Mietpreisdruck durch profitorientierte börsennotierte Wohnungsunternehmen entgegenwirken würde.
Die anhaltende Unsicherheit bezüglich der Enteignungsfrage wirkt sich bereits auf Investitionsentscheidungen aus, könnte den Neubau von Wohnraum verlangsamen und den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Stadt weiter ausdehnen. Das Ergebnis der Koalitionsgespräche nach der Wahl wird bestimmen, ob das Referendum in Gesetzesform überführt oder inaktiv bleibt und damit den Berliner Wohnungsmarkt für Jahre prägen.