European business, markets and politics
Die ehemalige, von Rosneft kontrollierte Anlage in der Nähe von Berlin arbeitet mit 80 % Kapazität, sieht sich jedoch mit Versorgungs‑, Finanzierungs‑ und politischen Hürden konfrontiert, die die Energielandschaft Deutschlands prägen könnten.

Drei Jahre nachdem Deutschland den Import von russischem Rohöl eingestellt hat, läuft die PCK Schwedt refinery in Brandenburg weiterhin, jedoch mit reduzierter Produktion und unter einem Schleier geopolitischer Spannungen.
Als Moskau im Mai 2022 den Fluss kasachischen Öls stoppte, wandte sich die Anlage den Ostseehäfen Rostock und Gdańsk für Lieferungen zu. Diese Umstellung hat den in den 1960er‑Jahren errichteten Komplex bei etwa 80 % seiner geplanten Kapazität am Laufen gehalten. Dennoch bedarf die alternde Anbindung der Raffinerie an Rostock einer Modernisierung, einer kostspieligen Aufrüstung, die bislang nicht finanziert ist.
Ralf Schairer, der einen Monat vor der Invasion in der Ukraine zum Geschäftsführer ernannt wurde, sagt, die tägliche Realität bestehe jetzt aus „ständigen Überraschungen“ und „Problemlösung“. Die Belegschaft von 1 200 Personen spürt die Belastung, wobei viele von Änderungen über die Medien und nicht durch interne Unterweisungen erfahren.
Deutsche Behörden stellten die russisch‑geförderte Einheit der Raffinerie unter staatliche Treuhänderschaft, nachdem EU‑Sanktionen Rosneft trafen. Brüssel jedoch hat das im Jahr 2023 beantragte Hilfspaket in Höhe von €400 Millionen nicht freigegeben, weil Rosneft weiterhin einen Anteil von 54 % hält. Der Finanzmangel behindert die für einen zukünftigen Umstieg auf synthetische Kraftstoffe auf Wasserstoffbasis erforderlichen Infrastruktur‑Aufrüstungen.
Die Aktionäre sind gespalten: Shell möchte seine Beteiligung von 37,5 % veräußern, während Italiens Eni einen Anteil von 8 % behält. Ihre divergierenden Positionen, zusammen mit den bevorstehenden Emissionshandels‑Regeln der EU, die die Berichtspflichten auf Kraftstofflieferanten verlagern, erzeugen laut Schairer „kolossale Investitions‑Unsicherheiten“.
Danny Ruthenberg, Vorsitzender des Betriebsrats, beschreibt die Lage als „echte Unsicherheit“. US‑Sanktionen gegen Rosneft haben zudem Software‑Partner wie Microsoft und Honeywell zum Rückzug veranlasst, wodurch die Anlage weiter isoliert wird.
In der Stadt Schwedt, wo die Raffinerie der größte Arbeitgeber ist, nährt die Angst vor Arbeitsplatzverlusten politische Verschiebungen. Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) hat an Boden gewonnen, was den in Why the AfD is popular in the east diskutierten Trends entspricht. Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe sagt, das Vertrauen in die Regierung habe sich seit Beginn des Krieges dramatisch abgebaut, und sie sieht wenig Hoffnung, dass die Raffinerie zu russischem Rohöl zurückkehrt, selbst wenn der Konflikt endet.
In die Zukunft blickend hängt das Überleben der Raffinerie von drei Faktoren ab: die Sicherstellung einer stabilen, nicht‑russischen Rohstoffversorgung, die Freigabe von EU‑genehmigter Finanzierung und das Navigieren in einer fragmentierten Aktionärslandschaft. Wenn keiner dieser Punkte realisiert wird, könnte die Anlage weitere Kapazitätskürzungen oder sogar die Schließung erleben, ein Szenario, das die Kraftstoffversorgungskette Deutschlands und die regionale Beschäftigung erschüttern würde.
Für den Moment bereiten sich die Arbeiter in Schwedt und die lokalen Behörden auf eine langwierige Anpassungsphase vor, während der Energiesektor sich an ein Europa nach russischem Öl anpasst.