European business, markets and politics
Frische Angriffe auf iranische Tanker und saudische Anlagen treiben den Ölpreis über die $100‑Marke und schüren Inflationsängste sowie Marktvolatilität.

Brent-Öl stieg am Mittwoch über $100 pro Barrel, zum ersten Mal seit Juli erreichte es dieses Niveau. Der Anstieg von mehr als zwei Prozent erfolgte nach einer Reihe neuer Angriffe im Nahen Osten, die frische Bedenken hinsichtlich der globalen Ölversorgung aufwarfen.
US‑Beamte bestätigten, dass sie am Dienstagabend mehrere iranische Öltanker abgefangen haben, als Vergeltungsmaßnahme für die versuchten Raketenangriffe Teherans auf ein US‑Kriegsschiff. Anfang der Woche griffen die von Iran unterstützten Houthis mehrere Ölstandorte in Saudi-Arabien an und verschärften damit die Marktsituation.
„$100 ist ein psychologisches Niveau, das für die Märkte von Bedeutung ist“, sagte Kathleen Brooks, Forschungsdirektorin bei XTB. „Wenn der Ölpreis über dieses Niveau steigt, bleibt den meisten Zentralbanken keine andere Wahl, als die Zinsen zu erhöhen; es wird die Kosten für Unternehmen und Verbraucher erhöhen und könnte letztlich das Wirtschaftswachstum belasten.“
Der Preisanstieg ist mehr als nur eine Überschrift; er fließt direkt in die Inflationsberechnungen ein, die von den Zentralbanken genau beobachtet werden.
Bank of England-Gouverneur Andrew Bailey warnte Abgeordnete, dass die Energiekosten im nächsten Jahr noch weiter steigen könnten, wenn der Konflikt anhält. Er sagte, die Inflationsaussichten seien „nach oben gerichtet“ und dass die Volatilität auf den Energiemärkten in die Finanzmärkte durchdringe.
In London fiel der FTSE 100 am Mittwochmorgen trotz leichter Gewinne bei den Ölkonzernen BP und Shell. Der breitere Index wurde durch Druck auf Fluggesellschaften und Luxus‑Einzelhändler belastet, wobei International Consolidated Airlines nach Störungen der Flugsicherung bei British Airways unter Druck geriet und Burberry nach einem Herabstufungs‑Rating eines Brokers nachgab.
Richard Hunter, Leiter der Märkte bei Interactive Investor, bemerkte, dass der Mangel an Begeisterung sich über einen breiten Abschlag hinweg bemerkbar machte, wobei nur wenige Sektoren irgendeinen Widerstand zeigten.
Analysten erwarten, dass der höhere Ölpreis die inflationsbedingten Drucke aufrechterhält und die Bank of England veranlasst, weitere Zinserhöhungen in Betracht zu ziehen. Anhaltende Kämpfe in der Region könnten die Angebotsknappheit aufrechterhalten und den Ölpreis für absehbare Zeit über der $100‑Schwelle halten.
Investoren werden sowohl die geopolitischen Entwicklungen als auch die Reaktionen der Zentralbanken genau beobachten, da jede Eskalation weltweite Märkte erschüttern könnte.